Top-Meiler Noor Al Hawa
Galoppsaison 2016: Unsere Champions
30. Dezember 2016
Le Glorieux, Spitzenrennpferd und Deckhengst
Liebling der Woche (13): Le Glorieux
4. Februar 2017
Championjockey Andreas Suborics

Subi in Baden-Baden

30 Jahre im Rennsattel

Als Ende letzten Jahres die Nachricht kam, dass Andreas Suborics seine Rennstiefel an den sprichwörtlichen Nagel hängt, war ich froh und traurig zugleich.

Froh deshalb, weil für ihn nun ein langes Jockeyleben mit vielen Entbehrungen zu Ende geht, in einem von Stürzen und Unfällen bis an die Grenzen belasteten Körper. Und traurig, weil er auf den Rennbahnen in der ganzen Welt so großartige Rennen geritten ist und für viele besondere Momente im Galopprennsport gesorgt hat.

Als ich dann an Weihnachten im Album des Deutschen Rennsports nur ein paar spärliche Sätze als Würdigung der 30 jährigen Jockeykarriere von Andreas Suborics lesen konnte, war ich ehrlich gesagt ein wenig sauer. Und das umso mehr als die spärlichen Sätze ein paar schöne Unrichtigkeiten enthielten, die wohl lässig schnell aus Wikipedia abgeschrieben wurden.

Also – ihr ahnt es schon – jetzt kommt ein etwas umfangreicherer Rückblick auf die Karriere des Klassejockeys – und ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr ihn durch Eure Kommentare und Eure Erinnerungen an den Jockey Andreas Suborics ergänzt!  

 

2 Mark 50 auf Bol d´Or

Den ersten Ritt in Deutschland absolvierte Andreas Suborics am 23. Juli 1988. Zum „Länderkampf BRD-Österreich“, wie der „turf“ titelte, kamen damals einmal im Jahr österreichische Jockeys und Pferde nach München-Riem, um sich in 7 Wertungsläufen mit ihren deutschen Kollegen zu messen.

Den Gegenbesuch in der Wiener-Freudenau gab es dann im Herbst und aus beiden Tagen wurde ein Gesamtsieger ermittelt. In Österreich waren William Lord und Jean Pierre Lopez die angesagten Jockeys. Doch in der österreichischen Equipe waren auch zwei Lehrlinge, die noch von sich reden machen sollten: Peter Heugl und Andreas Suborics.

Suborics begann seine Lehre 1986 in der Freudenau bei Dr. Alexander Falewicz, der auch schon Mario Hofer zum Jockey ausbildete und in den 80gern auf deutschen Bahnen schöne Erfolge feiern konnte.

4 Siege bei 28 Starts lautete die aktuelle Saisonstatistik des Lehrlings. Ein guter Grund für Trainer Herbert Block den 16 Jährigen, der damals noch 48 Kilo reiten konnte, für Bol d´Or zu engagieren.

Und meine 2 Mark 50 liefen mit. Nein, nicht wegen Andreas Suborics, sondern weil ich  – übrigens im gleichen Alter wie der Jockey – ein einfaches System für meine Taschengeldwetten hatte: Setze auf Nachkommen von Surumu – und das traf auf Bol d´Or zu. Suborics servierte Bol d´Or ein einwandfreies Rennen im Vordertreffen und rührte sich im Endkampf kräftig.

Am Ende sprang nur Platz 5 heraus, doch enttäuscht war ich nicht, denn der Jockey hatte Biss gezeigt.

Bol d´Or im Preis von Schönbrunn

Erster Ritt in Deutschland: Am 23. Juli 1988 startet ein 16 jähriger Jockeylehrling mit Bol d´Or im Preis von Schönbrunn in München-Riem. Sein Name: Andreas Suborics. (Quelle: Turf 15/1988l)


Sieg im Spreti-Memorial

Es dauerte dann eine ganz Weile, bis ich von Andreas Suborics wieder Notiz nahm. Im Herbst 1990 startete er bei seinen Gastspielen in München-Riem durch.

Bei nur wenigen Starts gelangen ihm drei Siege an den Renntagen von Ende Oktober bis Allerheiligen. Den Anfang machte  Win Frontal in einem Zweijährigen Rennen. Als 148:10 Außenseiter setzte sich das Duo in einer Kampfpartie mit kurzem Kopf gegen Dave Wildman auf Alrun durch. Der Ritt blieb nicht folgenlos, denn Suborics wurde nach seinem ersten Sieg in Deutschland wegen Kreuzens  mit einer Strafe von 50 DM belegt.

Auch der zweite Sieg war umkämpft. Auf Maradono gewann er einen Ausgleich IV für seinen Lehrherrn Dr. Falewicz – ebenfalls nach Kampf mit einem Hals. Diesmal hatte Subi noch einen Protest des Zweitplatzierten zu überstehen, der von der Rennleitung aber zurückgewiesen wurde.

Der dritte Sieg in Deutschland war dann schon ein echtes Highlight. Am Allerheiligen-Renntag holte sich der junge Jockey mit dem Spreti-Memorial sein erstes Listenrennen. Auch hier war es am Ende höllisch knapp. Suborics gewann mit dem österreichischen Derbysieger Dzulio nach Kampf mit Hals und halber Länge gegen den Schweizer Dustbowl und den Lokalmatador Alia´s King.

Auch wenn Dzulio trotz des Derbysieges bestimmt kein Riesensteher gewesen sein dürfte, waren die 1600 Meter im Spreti-Memorial  sicher die untere Grenze für ihn. Ein Kompliment mehr für Ross und Reiter.

Dzulios Trainer Stefan Bigus, der eng verbunden mit dem Falewicz-Stall, insgesamt sechs Mal österreichischer Champion wurde, gab Suborics noch zwei Mal die Gelegenheit den Derbysieger zu reiten: Mit einem zweiten Platz im Preis von Wallerstein und einem vierten Rang in einem Kölner Ausgleich I brachten die beiden stets Geld mit nach Hause.

Klasseflieger War Artist und Andreas Suborics

Sieg in der Goldenen Peitsche: Mit War Artist gewinnt Andreas Suborics 2009 die wichtigste Sprintprüfung in Deutschland zum vierten Mal. (Foto: Turfexperte)


Aller Anfang ist schwer

Aprospos Köln – am 24. November 1990 war dann noch eine Premiere fällig: Subis erster Ritt in Köln. Engagiert von Trainer Mario Hofer ritt er den zweijährigen Venetto. Die magere Bilanz auf dem Außenseiter war der unrühmliche letzte Platz.

Schon sein dritter Ritt in der Domstadt wurde dagegen ein voller Erfolg. Mit Zacateno gewann er sein erstes Kölner Rennen für den Münchner Trainer Erich Pils. Wobei – „schon“ trifft es in diesem Fall nicht wirklich, denn zwischen dem ersten und dem dritten Start in Köln lagen sage und schreibe ca. 3 ½ Jahre.

 

Weißblaue Erfolge

In den nächsten Jahren ritt Andreas Suborics überwiegend in München und steigerte die Zahl seiner Ritte und Siege kontinuierlich.

Unterstützung bekam er natürlich von Dr. Falewicz, doch auch Mario Hofer und vor allem Jutta Mayer setzen ihn oft und gern auf ihre Pferde. Später stieg er auch für zwei der erfolgreichsten Münchner Trainer in den Sattel: Wolfgang Figge und Erich Pils.

Und auch die Engagements außerhalb Münchens nahmen mit Siegen in Hoppegarten, Frankfurt und Dresden zu.

Am Ende der Saison 1993 summierten sich 33 Treffer und was heute fast für eine Top 10-Platzierung in der Jockey-Statistik reichen würde, brachte ihm damals Platz 22. Im nächsten Jahr kam dann sein endgültiger Durchbruch.

Mit 51 Siegen und Platz 11 in der Statistik war er nun in die 1. Liga aufgestiegen. Und das war hart erarbeitet. Schon zu Saisonbeginn ritt er zum ersten Mal bei den Sandbahnrennen in Dortmund. Der erste Sieg gelang ihm schon am Neujahrstag mit Mai Prince für den unvergessenen Mondrian-Trainer und Meister der Sandbahn Uwe Stoltefuß.

In der Zusammenarbeit mit Erich Pils gab es danach einige Highlights: den ersten Sieg in Baden-Baden mit Maori Dancer, einen Treffer im Düsseldorfer Karstadt-Preis mit dem unverwüstlichen Ordos-Sohn Bannier und den ersten Derbysieg mit Foscari im 126. Österreichischen Derby in der Wiener Freudenau für Besitzer Helmut von Finck.

Im Endeffekt war aber vielleicht der vierte Platz mit der Rietberger Stute Analysis im Preis der Messe Frankfurt früh in der Saison der wichtigste Ritt für Suborics, denn er markiert den Beginn der Zusammenarbeit mit Trainer Bruno Schütz, dem Mann für die Big Points.

Grand Prix Klasse

Auch wenn es im großen Schütz-Stall mit Mark Rimmer, Terence Hellier, Andre Best und dem jungen Andrasch Starke viele gute Jockeys gab, brachten ihm die Ritte auf den Schütz-Pferden ganz neue Perspektiven.

So ritt er die klassische Siegerin Life´s Luck auf Platz vier im Preis von Köln und der größte Erfolg in der Saison sollte noch kommen: mit Bad Bertrich gewann er das letzte Grupperennen 1994 und dieses Rennen war ein echter Thriller.

Nicht weniger als sieben Pferde kamen im Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf keine zwei Längen voneinander getrennt über die Linie.  Mit dem besten Enden für Suborics, der so seinen ersten Grand Prix Sieg unter Dach und Fach brachte.

Bei der Siegerehrung wurde es dann eng, denn der Rennstall Bad Bertrich hatte viele Besitzer. Er war gegründet worden, um den Kurort in der Eifel populär zu machen. Ein Plan der aufging und Pferde aus Bad Bertrich liefen in großen Rennen immer gern nach vorn.  

 

Ein Jahr bei Bruno Schütz

1995 blieb Andreas Suborics am Stall von Bruno Schütz und das Jahr brachte mit 86 Siegen eine neue Bestmarke. Platz 4 der Jockey-Statistik bedeutete eine weitere Steigerung. Vor ihm waren nur Andrasch Starke und Kevin Woodburn, der in diesem Jahr das Derby auf All My Dreams gewann.

Ja, und natürlich der Champion: Peter Schiergen. Der legte mit 271 Siegen eine Saison hin, die wohl in Deutschland für immer unerreicht bleiben wird und verbesserte dabei den Europarekord von Sir Gordon Richards aus dem Jahr 1947 um zwei Zähler.

Wie ihr alle sicher wisst hatte Schiergens Rekord 22 Jahre bestand, bis im letzten Jahr Pierre-Charles Boudot noch einen draufsetzte und die Bestmarke auf runde 300 Siege katapultierte.

Für Suborics war das Saisonhighlight der Sieg mit dem dreijährigen Sinyar in einem hochdotierten Listenrennen während der Hamburger Derbywoche. Insgesamt ritt er ein tolles Meeting mit 2 Siegen und 9 Platzierungen. Darunter waren zwei Gruppeplatzierungen mit Lost Love und Matula zu hohen Odds.

Und auch sein erster Ritt im Deutschen Derby konnte sich sehen lassen. Dem späteren Gruppe I – Sieger Oxalagu servierte er ein blitzsauberes Rennen in der Spitzengruppe. Lange Zeit sah es hinter All My Dreams sogar nach einer Platzierung aus. Doch Oxalagu war kein Steher und die geforderten 2400 Meter einfach einen Tick zu weit. So endete die Premiere mit einem guten 6. Platz.


Helmut von Fincks Waky Nao mit Andreas Suborics

Erster Listensieg in Baden-Baden: Waky Nao und Andreas Suborics nach dem Sieg im Scherping-Rennen. (Foto: Turfexperte)


Röttgener Stalljockey

Suborics hatte auf den großen Bahnen in Deutschland gezeigt, was er kann. Da blieben Angebote anderer Ställe nicht aus. Bei Hans Albert Blume in Heumar wurde nach dem Karriereende von Olaf Schick der Posten des Stalljockeys frei und Subi griff zu.

Start der Zusammenarbeit war der 1. April 1996 und bis Ende des Monats hatte er bereits 10 Sieger für sein neues Quartier geritten. Es lief wie am Schnürchen, nur die Big Points fehlten. Beim Frühjahrsmeeting in Baden-Baden war dann endlich auch der erste Listentreffer fällig.

Mit Helmut von Fincks Waky Nao gewann er das Scherping-Rennen und gleich danach ein hochdotiertes Listenrennen in Hannover. Beim Derbymeeting Anfang Juli machte das Erfolgsgespann den Hattrick komplett.

Im Hamburger Fliegerpreis zeigte sie der englischen Champion-Sprinterin Hever Golf Rose, die im Jahr zuvor den Prix de l´Abbaye gewinnen konnte, und Deutschlands bestem Flieger Macanal die Eisen. Waky Nao war der erste Crack den Andreas Suborics reiten durfte und sein zweiter Gruppesieger.

Im Herbst der Saison zeichnete sich dann der Wechsel von Hans Albert Blume zum aufstrebenden Quartier von Mario Hofer in Krefeld ab. Mit dem Sieg von Is Tirol im Dortmunder Auktionsrennen, das damals das höchstdotierteste Zweijährigen-Rennen in Deutschland war, gab es gleich den ersten großen Treffer.

 

 

A Kind of Magic

Und der eigentliche Höhepunkt der Saison 1996 sollte noch kommen.

Hartmut Steguweit hatte während seiner Trainerlaufbahn nie den Rückhalt großer Gestüte. Trotzdem zauberte er so manchen Grand Prix-Sieger aus dem Hut. Man denke nur an den Derbysieg mit dem 9.000 DM – Jährling Philipo oder den Überraschungs-Sieg im Henry M.Betrix Pokal mit Grauer Wicht, der – unvergessen mit Bernd Selle –  gegen den Champion-Meiler Lirung gewann.

Mitte der 90ger hieß Steguweits Paradepferd A Magicman und wer den Schwarzbraunen auf der Rennbahn erlebt hat, der weiß, dass tatsächlich etwas Magisches von ihm ausging.

Suborics erster Ritt auf A Magicman kam während des Europa-Meetings im Großen Kaufhof-Preis. Platz zwei hinter dem dreijährigen Accento, der immerhin 3,5 Kilo für sein Alter bekam, war zwar nicht schlecht. Doch für den 4-fachen Gruppesieger A Magicman eigentlich zu wenig.

In dieser Saison hatte er schließlich schon den Prix de la Porte Maillot auf Gruppe III-Ebene in Longchamp gewinnen können. Und so ging im Herbst die Reise für A Magicman noch einmal nach Longchamp.

Am 20. Oktober 1996 startete er mit Andreas Suborics im Sattel im Prix de la Foret über 1400 Meter auf Gruppe I – Ebene. Die beiden gewannen zu Außenseiter-Odds von 240:10 gegen Miesque´s Son und die Favoritin Shaanxi.

Und das war aller Ehren wert. Die vierjährige Stute Shaanxi hatte in der Saison schon den wertvollen Prix d´Astarte in Deauville gewonnen und Miesque´s Son war hinter dem Ausnahmepferd Anabaa der vielleicht zweitbeste Sprinter in Frankreich.

Der so wundervoll gezogene Miesque´s Son hätte das Rennen eigentlich nicht verlieren dürfen, doch ein Glanzritt von Suborics machte den Unterschied.

Jetzt hatte Andreas Suborics sein erstes Gruppe I – Rennen nach einer Kampfpartie mit einem „Kopf“ in der Höhle des Löwen in Paris gewonnen. Doch nicht nur das: es war auch der erste  Gruppe I – Erfolg eines in Deutschland reitenden Jockeys in Frankreich.

Ich habe echt suchen müssen, um das Rennen auf YouTube zu finden. Schließlich habe ich es in einem Beitrag über Miesque´s Son gefunden. Ihr müsst bis nach dem Rennfilm des Prix Maurice de Gheest warten – schaut es euch an, es lohnt sich!

A Magicman

Prix de la Foret 1996


Team Austria

Mit Mario Hofer bildete Andreas Suborics wiederholt ein sehr erfolgreiches Gespann. Und obwohl bestimmt nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen zwischen den beiden war, können sie auf viele schöne Siege zurückblicken.

Beginnend mit dem Ritt auf Tongo am 27.10.1990 und endend mit dem Ritt auf dem Indianerpferd Silvery Moon am 29.10.2016 währte ihre Zusammenarbeit fast tag-genau 26 Jahre.

Mario Hofer hat seinen ehemaligen Stalljockey in dieser Zeit immer unterstützt – auch in den letzten zwei Saisons seiner Karriere als die Rittangebote weniger wurden.

Ende der 90ger gab es die ersten richtig großen Highlights. Is Tirol habe ich schon erwähnt. Mit ihm gewann Suborics neben dem Dortmunder Auktionsrennen noch den Preis der Dreijährigen und war Zweiter im klassischen Mehl Mülhens-Rennen – nur von dem Engländer Air Express geschlagen.

Nadour Al Bahr war ein weiteres Klassepferd. Im Frankfurter Frühjahrspreis kam er auf Platz zwei. Doch wurde der Sieger Aboard disqualifiziert und Nadour Al Bahr so zum Gruppesieger.

Danach ging es nach Rom. Im Derby Italiano landeten die beiden hinter dem Godolphin-Hengst Central Park auf Platz zwei und auch im Deutschen Derby belegten sie den Ehrenplatz.

Robertico hieß damals der Kampfsieger auf dem Horner Moor, das seinen Namen wieder einmal alle Ehre machte. Nur eine halbe Länge trennten ihn und Nadour Al Bahr auf knietiefer Bahn.

Ein Kampf der symptomatisch war für diese Zeit – Andrasch Starke gegen Andreas Suborics mit dem besseren Enden für den Hamburger, der an diesem Tag seinen ersten Derbysieg feiern konnte.

Das vielleicht schnellste Pferd aus dieser Zeit war der leider viel zu früh verunglückte El Maimoun. Er war ein echter Spitzenzweijähriger mit Siegen im Badener Jugendpreis und dem Badener Zukunftsrennen, das damals noch im Gruppe II – Status das sportlich wichtigste Zweijährigenrennen in Deutschland war.

Im Jugendpreis brauchten die beiden für 1000 Meter nur 0:57-4 Min. – ein Bahnrekord der in Iffezheim bis heute bestand hat.

Glanzlichter des „Teams Austria“ waren natürlich die Gruppesiege. Neben Nadour Al Bahr und El Maimoun gelangen diese mit Sword Local, Raffelberger (2x), Apollo Star, Scatina, Key to Pleasure und King of Sydney.

Mit der zweijährigen Paita feierten Andreas Suborics und Mario Hofer sogar einen  Gruppe I – Erfolg. Im Criterium de Saint Cloud 2004 gelang der Sieg gegen starke Konkurrenz aus den Ställen von Aidan O´Brien und den Maktoums.

Subi und der Tiger

Im Derbyjahrgang 1998 war mit Tiger Hill ein echter Crack. Trainiert von Peter Schiergen in seiner ersten Trainersaison war der Danehill-Sohn von Georg Baron von Ullmann für die ganz großen Rennen vorgesehen.

Mit Siegen im klassischen Mehl Mülhens-Rennen und im Großen Müller-Brot Preis in München schien die Frage nach dem Derbysieger schon beantwortet. Tiger Hill war bis Hamburg ungeschlagen und ein richtiger Gegner auch im Derby nicht in Sicht.

Doch auf dem Horner Moor wurde der Tiger von Billy Newnes nicht eben glücklich geritten und der 10. Platz war für viele eine große Enttäuschung. Nachdem Tiger Hill dann auch im Düsseldorfer Deutschlandpreis sehr unglücklich gegen Ungaro verlor, wurde für den Großen Preis von Baden ein neuer Jockey gesucht.

Obwohl Nadour Al Bahr im Rennen war, nahm Suborics den Ritt auf Tiger Hill an und wechselte an den Stall von Peter Schiergen. Im Großen Preis von Baden zeigte Tiger Hill dann seine ganze Klasse und verwies den eisenharten Caitano mit vier Längen auf Platz zwei.

Dahinter folgte der Franzose Public Purse. Immerhin frischer Sieger im Prix Maurice de Nieuil in Maisons-Laffitte und später in seiner Karriere noch guter Dritter in Dubai Millenniums World Cup.

Nach dieser Gala ging es mit Tiger Hill ins Rennen der Rennen. Am ersten Oktobersonntag starteten der Tiger und Andreas Suborics im Prix de l´Arc de Triomphe. Auch dieses Rennen müsst ihr euch unbedingt anschauen.

Der Sieg war zum Greifen nah. Hinter Sagamix, der wirklich nur dank eines Glanzritts von Olivier Peslier siegen konnte und der Stute Leggera, die als frische Siegerin im Prix Vermeille mit besten Empfehlungen in den Bois de Bologne zurückkehrte, landete Tiger Hill noch nicht mal eine Länge zurück auf Platz drei. Er blieb noch vor Croco Rouge und einem bärenstark laufenden Caitano.

Nach Star Appeal und Danedream für mich die beste Leistung eines in Deutschland trainierten Pferdes im Arc.

Insgesamt ritt Suborics Tiger Hill fünf Mal und kam mit ihm immer unter die ersten Drei. Neben dem Großen Preis von Baden gewannen die beiden den Großen Dallmayr-Preis in München und den Kölner Gerling-Preis.

Tiger Hill

Prix de l´Arc de Triomphe 1998


Am Asterblüte-Stall

Was mit Tiger Hill begann, wurde in den nächsten Jahren zu einer der erfolgreichsten Verbindungen im deutschen Turf.

Für den Asterblüte-Stall von Peter Schiergen ritt Andreas Suborics die meisten Gruppesiege in seiner Karriere. Zunächst als Stalljockey, später dann als Privatjockey für die Pferde vom Gestüt Schlenderhan und Georg Baron von Ullmann.

Die Liste der Klassepferde, die mit Subi große Rennen gewannen, wurde immer länger.  Unter den 27 Gruppesiegen für Schiergen waren Treffer mit Tiger Hill (3x), Catella (3x), Sumitas (2x), Tertullian (2x), Simoun (2x), Arcadio (2x), Imperioso, Terek, Casanga, Toylsome, Zarewitsch, Assiun, Soldier Hollow, Tiberius Caesar, Königstiger, Idealist, Imonso, Touch My Soul und Walzerkoenigin.

Mit der Kingmambo-Tochter Walzerkoenigin gelang ihm der wichtigste Auslandstreffer für Peter Schiergen im Premio Emilio Turati in Mailand auf Gruppe II-Ebene. In einem dramatischen Finale blieben die beiden mit einem Hals vor Salselon und dem Engländer Gateman. Danach belegten Walzerkoenigin und Suborics noch einen guten dritten Platz in Newmarket in den Falmouth Stakes und einen hervorragenden vierten Platz in den Beverly D. Stakes, Grade I in Arlington Park.

Walzerkoenigin wurde im Gestüt eine der besten Mutterstuten der jüngeren Vergangenheit. Ihre Söhne Walzertraum, Walzertakt und Port Douglas gewannen allesamt Grupperennen und Wiener Walzer schaffte sogar den Sieg im Deutschen Derby.

Und noch eine tolle Stute soll nicht unerwähnt bleiben. Mit der Monsun-Tochter Guadalupe schaffte Subi zwar keinen ganz großen Treffer, dafür aber erstklassige Platzierungen.

Die beiden wurden auf Gruppe I-Ebene Zweite in den Yorkshire Oaks zur Ausnahmestute Islington, die danach noch u.a. den Breeders Cup Filly & Mare gewann, Vierte im Prix Vermeille und – last but not least – Zweite im Gran Premio del Jockey Club in Mailand – nur geschlagen vom späteren Fährhofer Deckhengst Black Sam Bellamy.  

 

All Around the World

Anfang der Zweitausender ritt Andreas Suborics für das Erfolgsquartier von Andreas Wöhler und das zu einer Zeit, als auch international für deutsche Galopper so richtig die Post abging.

Lando hatte es mit seinem Sieg im Japan-Cup 1995 bereits vorgemacht und nun strengten sich weitere Galopper aus Deutschland an, in den großen Rennen rund um den Globus mitzumischen.

Zwei der besten waren der Fährhofer Silvano und der Lando-Sohn Paolini. Mit beiden erzielte Suborics absolute Karriere-Highlights und machte sich als Jockey weltweit einen Namen.

Silvano stammt aus dem ersten Jahrgang des Fährhofer-Ausnahmegaloppers Lomitas und zeigte schon als Dreijähriger mit einem Sieg im Kölner Union-Rennen, dass er unbedingt zur Jahrgangsspitze gehört.

Als Vierjähriger startete er dann richtig durch. Nachdem er bis Mitte der Saison 2000 den großen Preis der Badischen Wirtschaft, damals noch mit Andreas Boschert im Sattel, gewonnen hatte, wurde er gezielt auf die großen Rennen in Fernost vorbereitet – und jetzt war Andreas Suborics immer im Sattel.

Den Anfang machte ein guter fünfter Platz in Subis späterer Heimat Hong Kong. In der Hong Kong Vase gab es zwar gegen den Sieger Daliapur keine Opposition, auf den Plätzen wurde es jedoch richtig knapp. Für den zweiten Platz war Silvano nur mit Kopf, Hals, Hals geschlagen.

Das machte Lust auf mehr und beim nächsten Start im März 2001 gab es für das Team Silvano – Suborics den ersten Volltreffer. Im Singapore Cup über 2000 Meter auf Turf fanden den beiden ideale Bedingungen vor und siegten überlegen mit 5 ½ Längen in einer deutschen Zweierwette gegen Caitano und Andrasch Starke.

Drei Wochen später ging es nach Dubai. Im Dubai Sheema Classic belegte Silvano auf den weiten 2400 Metern einen beachtlichen dritten Platz gegen den Japaner Stay Gold und Fantastic Light, der in dieser Saison noch vier Gruppe I – Rennen gewinnen sollte, allen voran den Breeders Cup Turf.

 

Für Silvano folgte nach dieser Bombenform der nächste Volltreffer: der Queen Elizabeth II Cup in Hong Kong.  Wieder über die passenderen 2000 Meter und auf schneller Bahn war der Sieg gegen den Globetrotter Jim And Tonic mit Gerald Mosse im Sattel schnell unter Dach und Fach.

Den wohl größten internationalen Sieg schafften die beiden im August 2001 in der Arlington Million. Nach einem klugen Ritt an den Innenrails siegte Silvano beeindruckend gegen Hap, Redattore und den alten Rivalen Caitano. Schaut euch den taktisch sehr beeindruckenden Ritt  im Video an!

Silvano

Arlington Million 2001

Zu einem vollen Erfolg reichte es für die beiden danach nicht mehr, aber ein zweiter Platz in den Man O´War Stakes in Belmont Park und ein vierter Platz in den Cox Plate in Australien waren ebenfalls aller Ehren wert.

So waren die beiden auf vier Kontinenten im Einsatz und konnten überall von sich reden machen.

Der Fährhofer Sabiango

Silvanos kleiner Bruder machte es vor: nur 6 Tage vor dem Sieg in der Arlington Million gewann Andreas Suborics mit Sabiango ebenfalls ein Gruppe I – Rennen – den Credit Suisse Private Banking Pokal in Köln. (Foto: Turfexperte)


Der Millionär

Der nächste Globetrotter, mit dem Andreas Suborics viel Ehre für den deutschen Rennsport einlegte, war der von Carde Ostermann-Richter gezogene Lando-Sohn Paolini. Paolini, ein Bruder des Champion-Galoppers Platini, lief in sechs Rennzeiten auf Rennbahnen rund um den Globus.

Er ist nach der Superstute Danedream bis heute, der zweit-gewinnreichste Galopper in Deutschland und hat in seiner Rennkarriere €3.282.450 verdient.

Paolini war schon ein sehr guter Dreijähriger, als Vierjähriger startete er aber so richtig durch. Mit Andreas Suborics im Sattel gewann er seine ersten beiden Jahresstarts 2001. Und die hatten es in sich:

Mit dem Premio Presidente della Repubblica auf der Campanelle-Rennbahn in Rom und dem Gran Premio di Milano gewannen sie zwei der wichtigsten Rennen in Italien auf Distanzen von 2000 und 2400 Metern.

Im Herbst startete dann die mehr als drei Jahre dauernde Überseekarriere von Paolini. Ihr Höhepunkt war sicher der Sieg in den Dubai Duty Free Stakes über die verlängerte Meile am Dubai World Cup-Tag 2004 – da saß schon Wöhlers neuer Stalljockey Eddie Pedroza im Sattel.

Doch Suborics erzielte zuvor weltweit viele tolle Platzierungen mit Paolini:

  • Platz 2 im Canadian International in Woodbine in einer Kampfankunft zu Mutaman noch vor Zindabad und Daliapour
  • Platz 2 im Singapore Airlines International Cup zu Grandera
  • Platz 2 im Dubai Duty Free, ein Jahr bevor der volle Erfolg gelang. Nur geschlagen von der südafrikanischen Wunderstute Ipi Tombe.

 

Showdown in Chicago

Das letzte Rennen der beiden war dann Dramatik pur. Jeder, der es gesehen hat, wird es wohl nie vergessen. Zwei Jahre nach seinem großen Sieg mit Silvano startete Suborics mit Paolini in der Arlington Million.

In der Zielgeraden kämpften fünf Pferde um den Sieg. Gary Stevens lag mit dem Favoriten Storming Home knapp in Front als der Machiavellian-Sohn kurz vor dem Ziel brüsk nach Außen wegbrach und dabei vor allem Kaieteur und Paolini behinderte.

Storming Home ging trotzdem als erster über die Linie. Eine halbe Länge trennten ihn und Sulamani, der noch weiter Außen ein fast störungsfreies Rennen hatte.

Kurz nach dem Ziel musste Stevens dann sogar aus dem Sattel und das sah echt schlimm aus. Für den Reiter der Kentucky-Derbysieger Winning Colors, Thunder Gulch und Silver Charm musste man das schlimmste befürchten.

Es grenzt an ein Wunder, dass Stevens schon 19 Tage später wieder in den Sattel steigen konnte. Storming Home wurde danach als Sieger disqualifiziert und Paolini kam hinter dem glücklichen Sulamani auf Platz zwei im toten Rennen mit Kaieteur.

Ein starkes Ergebnis, doch wer weiß wo Paolini ohne die Behinderung gelandet wäre, denn der Rennausgang war höllisch knapp.

Paolini

Seine größten Rennen


Champion Days

Ende der 90ger und Anfang des neuen Jahrtausends ritt Andreas Suborics in Überform. Drei Mal belegte er in der Jockey-Statistik den Ehrenplatz hinter Andrasch Starke bevor er 2002 endlich und hochverdient Championjockey in Deutschland wurde.

Sein zweites Championat gelang ihm nur zwei Jahre später und wenn es eine Saison gab, die aus den vielen erfolgreichen Jahren herausragt, dann war es 2004.

Die Bilanz in Zahlen: 115 Siege nur in Deutschland mit einem Siegschnitt von über 24%. 13 Gruppesiege im In- und Ausland, darunter allein vier Gruppe I – Prüfungen.

Suborics gewann in dieser Saison in Hamburg mit der Monsun-Tochter Amarette den Preis der Diana, das Derby für die Stuten.

Doch es kam noch besser: Auch im 135. Deutschen Derby war er vorn und siegte mit dem großartigen Monsun-Sohn Shirocco. Beide wurden in Köln von Andreas Schütz trainiert und Suborics ritt sie als Stalljockey für die Schlenderhan/ Ullmann Pferde.

Während der Preis der Diana gegen La Ina hart umkämpft war und Suborics Amarette nur mit einem Kopfvorteil über die Linie brachte, geriet das Derby zur via trumphalis.

Schon früh in der Geraden stand für Rennkommentator Manfred „The Voice“ Chapman fest, dass der Sieger nur Shirocco heißen konnte und wie bei Samum vier Jahre zuvor, sprach er erneut von einer „Explosion“ als die beiden den anderen davonstürmten.

Mit Shirocco gewann Subi im selben Jahr noch den Gran Premio del Jockey Club auf der Mailänder Rennbahn in San Siro. Er ritt dabei ein großes Finish und brachte seinen Derbysieger nach Kampf mit einer „Nase“ gegen Electrocutionist nach Hause. Wie gut dieser Gegner war zeigte sich 1 ½ Jahre später als Electrocutionist sogar den Dubai World Cup gewinnen konnte.

Der Mailänder Grand Prix war der letzte Start der beiden Derbyhelden, denn im Jahr darauf wechselte Shirocco nach Frankreich zu Championtrainer Andre Fabre.

Siege im Breeders Cup Turf und im Coronation Cup sprechen für die Klasse des Monsun-Sohnes. Schade nur, dass Suborics da nicht mehr an Bord war.

Shirocco

Deutsches Derby 2004

Magnificent Seven

Nach der tollen Saison 2004 begann 2005 mit einem Schock. Bei einem Wintergastspiel in Japan stürzte Suborics in der Morgenarbeit und musste operiert werden. Eine drohende Lähmung wurde nur durch den Einsatz einer Titanplatte zwischen den Brustwirbeln verhindert und ein Karriereende schien nicht ausgeschlossen.

Suborics kämpfte sich jedoch zurück und stieg schon 4 ½ Monate später wieder in den Rennsattel. Am 11. Juni gewann er dann auf Proud Estate in Krefeld das erste Rennen nach seinem schweren Unfall. Der Dashing Blade-Sohn gehörte meinem Bruder und wir waren alle stolz wie Bolle, als wir den Sieger vom Geläuf abholten.

Und wer dachte,  Subi hätte das Siegen verlernt, wurde noch in der gleichen Saison eines besseren belehrt. Am 11. September stieg der Championjockey in München-Riem 9 Mal in den Sattel und kam sage und schreibe 7 Mal als Sieger vom Geläuf.

Den Anfang machte die Schlenderhanerin Karavel, bei ihrem ersten Lebensstart als Zweijährige. Dann folgten Roxaguna und Zoran. Mit Toylsome, dem späteren Überraschungssieger im Prix de la Foret, gewann er danach den Bayerischen Fliegerpreis gegen die Gruppesieger Soave und Glad to be fast.

Und dann kam das Saisondebüt des Winterfavoriten Manduro. Im Großen Bavaria-Preis gingen die beiden der Konkurrenz auf und davon und der spätere World-Champion Manduro blieb auch nach seinem dritten Lebensstart ungeschlagen.

Mit Rudolfo gewann Suborics in München munter weiter und als er im letzten Rennen mit Power of Dreams den heißen Favoriten Green Mile auf Platz zwei verwies, war klar, dass so ein Tag so schnell nicht wiederkehren würde: Magnificient Seven!


Türkischer Honig

Am Tag vor den sieben Siegen in München ritt Suborics in der Türkei, denn er war wieder einmal für die Toprennen in Veliefendi, der Prachtbahn von Istanbul, gebucht. Seit einigen Jahren fanden dort einmal im Jahr internationale Rennen statt, die von der Dotierung her sicher Gruppe I – würdig waren.

Schon im Jahr 2000 belegte Subi im Bosporus Cup mit King´s Boy hinter dem Sieger Caitano einen guten zweiten Platz. Fünf Jahre später holte er sich das wichtige Rennen für seinen alten Trainer Hans Albert Blume mit dem Pelder-Sohn Senex. Doch das war noch nicht alles, denn danach siegte er auch mit dem in England von William Haggas trainierten Brunel in der Topkapi Trophy.

Veliefendi blieb immer ein gutes Pflaster für Andreas Suborics und gerade im Bosporus-Cup holte er sich noch einige gute Platzierungen. Mit Bussoni schaffte er nur zwei Jahre später sogar erneut den Cup-Sieg und wieder hieß der Trainer Hans Albert Blume. Dabei war der Ritt auf Bussoni a la bonne heure. Die beiden holten sich den Sieg von der Spitze aus gegen die international erprobten Gegner Pressing und Laverock.

Big in Japan

In der Saison 2006 lief es für Suborics wie am Schnürchen. Bis Oktober ritt er 108 Siege und hatte schon früh sein drittes und letztes Jockey-Championat in Deutschland unter Dach und Fach.

Auch auf Gruppeebene punktete er fleißig. 8 Gruppesiege mit den wichtigen Treffern auf Arcadio im Großen Mercedes-Benz Preis während des Badener Frühjahrs-Meetings und auf Linngari in der Goldenen Peitsche, ließen die magere Grand Prix-Ausbeute des Vorjahres schnell vergessen.

Im Winter ritt er dann auch in Japan mit großem Erfolg. Anfang Dezember holte er sich den Gesamtsieg der World Super Jockeys Series, der inoffiziellen Jockey Weltmeisterschaft. Ausgetragen in vier Wertungsläufen auf der Hanshin-Bahn in Takarazuka in der Nähe von Osaka, schnappte er sich den Titel mit einem Sieg im letzten Lauf.

Sein zweiter Titel übrigens, denn schon 2004 lag er punktgleich mit dem Südafrikaner Douglas Whyte an der Spitze. Zwei Erfolge in der World Jockeys Series – das  hat vor und nach ihm kein Europäer mehr geschafft, obwohl sich die Liste der erfolgreichen Jockeys wie ein „Who is Who“ des Galoppsports liest.


Die ungarische Überdosis

In den 90gern war der in Ungarn trainierte Schimmel March Groom ein wichtiger Schrittmacher in Subis Karriere.  Trainiert von Attila Friebert gewann er auf March Groom das Fürstenberg-Rennen, eines seiner ersten Grupperennen.

Später in seiner Karriere kam dem Österreicher dann noch einmal ein Klassepferd aus Ungarn unter den Rennsattel und das hatte sehr schnell eine Fangemeinde auf der ganzen Welt.

Overdose hieß der von Sandor Ribarski in Budapest trainierte Starborough-Sohn und mit sechs Siegen in Folge trat er im Mai 2008 im Badener Scherping-Rennen an. Sechs Siege – ja gut – doch die waren in Ungarn, Österreich und der Slowakei errungen worden.

Was dann im Scherping-Rennen folgte, war eine echte Gala. Overdose canterte seine Gegner ab, wie in den Rennen zuvor. Das musste ein wirklich außergewöhnlicher Sprinter sein. Jetzt sollte es in die ganz großen Rennen gehen und da war Andreas Suborics genau der richtige Partner.

Der erste Auftritt der beiden kam während des Derbymeetings. In der Lotto Hamburg Trophy schickten Overdose und Suborics den guten Flieger Abadjinn auf die Verliererstraße. Danach siegten die beiden in der Goldenen Peitsche, wieder vor Abadjinn, nur diesmal noch leichter als in Hamburg und trotz ungünstigerer Gewichtsverhältnisse.

Mit diesem Sieg im Gepäck ging es für Suborics und Overdose in den Bois de Bologne. Im Prix de l´Abbaye, dem großen Fliegerrennen während des Arc-Meetings, nahm man die Herausforderung gegen die europäische Sprinterelite an.

Und Overdose gewann erneut – aber Ihr wisst sicher alle schon wie es weitergeht. Der Prix de l´Abbaye war 2008 das wahrscheinlich meistdiskutierteste Rennen des Jahres.

Beim Start hatte sich die Boxentür des englischen Gastes Fleeting Spirit mit Ryan Moore im Sattel nicht geöffnet. Der Starter schwenkte daraufhin die rote Flagge als Zeichen für einen Fehlstart. Doch ein akustisches Signal blieb aus. Ordergemäß brachte Suborics Overdose gleich in die Spitzengruppe und ließ ihn richtig treten.

Nach gut 400 Metern merkten die meisten Jockeys, dass etwas nicht stimmte. Suborics und eine handvoll weiterer Reiter brachten das Rennen zu Ende. Overdose gewann und verlor trotzdem, denn das Rennen wurde annuliert. Die französischen Offiziellen entschieden, dass der Abbaye nach dem letzten Rennen auf der Karte wiederholt werden sollte. Doch Overdose war sein Rennen gelaufen und er und zwei weitere Pferde traten nicht erneut an.

Als Sieger des Wiederholungslaufs ging der französische Favorit Marchand d´Or über die Linie, in der sensationellen Zeit von 0:54-4 min. Und das war exakt die Zeit, die auch Overdose einige Stunden zuvor für die 1000 Meter gebraucht hatte. Wer war also besser Marchand d´Or oder Overdose?

 

Overdose

Prix de l´Abbaye 2008

Ein echtes Rennen der beiden gegeneinander sollte es leider nie geben. Aber für die vielen Overdose-Fans war klar: er hätte dieses Rennen nie verloren.

Overdose und Suborics gewannen nach der Frankreichpleite noch ein Grupperennen in Italien. Ein versöhnlicher Saisonabschluss und die Hoffnung auf die nächste Saison.

Doch als Vierjähriger konnte Overdose, der inzwischen längst zum Volkshelden in Ungarn geworden war, nur einmal herausgebracht werden. Hufprobleme warfen ihn immer wieder zurück.

Bis zur großen Woche 2010 behielt er jedoch seinen Nimbus als Unbesiegter. Die Goldene Peitsche war dann sein Waterloo. Nach 14 Siegen in Folge kam er mit Christophe Soumillon nur auf einen enttäuschenden siebten Platz.

Ein Jahr danach saß wieder Suborics im Sattel. In Royal Ascot zeigte das österreichisch-ungarische Team wohl ihre beste (reguläre) Leistung. In den King´s Stand Stakes über 1000 Meter belegten die beiden hinter dem Sieger Prohibit einen fantastischen vierten Rang und waren nur knapp eine Länge geschlagen.

Die Geschichte von Overdose ist  wie ein Märchen ohne Happy End. „The Budapest Bullet“ konnte nie wirklich zeigen, was er drauf hatte. Und auch eine große Gestütskarriere blieb dem ungarischen Wunderpferd verwehrt. Im Alter von nur 10 Jahren war er im Gestüt Lindenhof nach einer Kolik nicht mehr zu retten.


Rücktritt vom Rücktritt

Als Anfang April 2010 die Nachricht die Runde machte, dass Andreas Suborics bei seinem Gastspiel in Hong Kong einen Unfall hatte, wusste man zunächst nicht, wie es um den dreimaligen deutschen Championjockey bestellt war.

Ein Bluterguss am Kopf machte eine Operation notwendig und nach und nach wurde klar, dass eine Rückkehr in den Sattel so schnell nicht möglich sein würde. Und es kam noch schlimmer: Suborics musste wegen Nachblutungen schon bald darauf erneut operiert werden.

Im Mai kam dann die Hiobsbotschaft, dass bei einer weiteren Untersuchung eine Ablagerung zwischen Schädeldecke und Gehirn entdeckt wurde.

Die Saison war für ihn damit beendet, doch nicht nur das. Die Ärzte rieten ihm, seine Karriere zu beenden und so verkündete Suborics schweren Herzens drei Tage vor seinem 39. Geburtstag seinen Rücktritt.

Natürlich ließ ihn der Galopprennsport nicht los und nach nur 3 ½ Monaten kam dann der Rücktritt vom Rücktritt:

„Ich werde wieder Rennen reiten. Ich habe mich von den Ärzten durchchecken lassen und grünes Licht bekommen,“ verkündete er Anfang Dezember in einem Interview mit der Sport-Welt. Seine zahlreichen Fans waren aus dem Häuschen.

Großer Sieg für Peace Royale im Schwarzgold-Rennen 2008

Gruppesieg für Andreas Wöhler: Mit Peace Royale gewinnt Andreas Suborics das Schwarzgold-Rennen in Köln. (Foto: Turfexperte)



Die letzten Jahre im Sattel

Schon vor seinem schlimmen Unfall bildeten Andreas Suborics und Trainer Waldemar Hickst ein erfolgreiches Duo. Mit Wiesenpfad und Flamingo Fantasy waren die beiden auf Gruppe-Ebene erfolgreich und auch nach seinem Comeback konnten sie mit Tres Rock Danon und Zazou noch schöne Erfolge feiern.

Ein starker zweiter Platz mit Tres Rock Danon nach einem tollen Ritt im Prix du Cadran am Arc-Tag 2011 ging ein wenig unter, denn das Hauptrennen ging an diesem Tag an eine gewisse Danedream. Aber auch insgesamt wurde es ruhiger um den Champion.

Von 2012 – 2014 kehrte der dann Deutschland, abgesehen von kurzen Gastspielen im Sommer, den Rücken und ritt in Hong Kong. Über diese Zeit kann ich Euch nicht viel berichten. Vielleicht könnt ihr ja das ein oder andere Highlight ergänzen.

2015 kehrte er im Juli dann endlich zurück und trumpfte am 27. September in Mailand noch einmal groß auf: nach einem zweiten Platz im Premio Elena e Sergio Cumani mit der von Pia Brandt trainierten Malka, sorgte er im Hauptrennen des Tages für eine handfeste Überraschung:

Im Premio Vittorio die Capua, einem Gruppe I – Rennen über die Meile, brachte er den 130:10 Außenseiter Red Dubawi mit zwei Längen Vorteil über die Linie. Für Trainerin Erika Mäder sicher ein Höhepunkt in ihrer langen Karriere und für Suborics der letzte Gruppesieg als Jockey.

2016 ritt Subi noch einmal eine  volle Saison in Deutschland. Mit 24 Siegen bei 191 Starts war die Bilanz nicht schlecht – für ihn aber wohl kaum zufriedenstellend. Seine Klasse zeigte er noch einige Male, wie bei Zantaros Sieg in Baden-Baden von der Spitze  oder in Hannover bei Frangipanis Speederfolg.

Vielleicht hätte er als Stalljockey an einem großen Quartier noch ein paar Jahre weitergemacht. So war der von Waldemar Hickst trainierte Bergwind am 30. 10.2016 in Hannover sein letzter Sieg im Sattel. Allein in Deutschland summierten sich nach fast 26 Jahren 1.498 Erfolge, dazu kommen gut 200 Siege auf der ganzen Welt.

Tres Rock Danon und Andreas Suborics am Arc-Tag 2011

Arc-Tag in Longchamp: Andreas Suborics und Tres Rock Danon nach ihrem zweiten Platz im Prix du Cadran, den die beiden glorreich verteidigt haben. (Foto: Turfexperte)



Der Trainer Suborics

So schließt sich ein großes Kapitel Rennsportgeschichte. Andreas Suborics hat als Jockey sehr viel bewegt und seine Klasse auf der ganzen Welt gezeigt. Er ritt grandiose Rennen auf Pferden, die unvergessen bleiben.

In England wäre schon längst seine Biographie als Buch erschienen und viele Nachwuchsjockeys hätten ihn zum Vorbild.

Die vielen Schlachten, die er geschlagen hat, haben auch körperlich  enormen Tribut gefordert und so hätte er sich eigentlich ein wenig Zeit zur Erholung verdient. Trotzdem gibt er schon wieder Vollgas und übernimmt den großen Stall von Andreas Löwe in seiner Wahlheimat Köln.

Ob er als Trainer genauso erfolgreich wird? Wer weiß das schon – sicher wird es spannend das zu erleben. Aber mal ehrlich – egal wie es kommt – Subi muss gar nichts mehr beweisen. Er soll das tun, was ihm Spaß macht und wenn er nach 6 Monaten wieder in den Sattel steigen will, mich würde es freuen.

Subis Gruppesiege in Europa

  GR.I GR.II GR.III Gesamt
         
Deutschland 5 20 40 65
Italien 4 4 2 10
Frankreich 2     2
  11 24 42 77

  Statistiken zu den Ritten von Andreas Suborics in Deutschland findet Ihr auf der sensationellen Internetseite Jockeys in Deutschland – ein Besuch dort lohnt sich immer!  


Subis Ritte in Deutschland

 

Rennbahn Starts Siege Schnitt Zweiter Dritter
           
München 1.102 202 18,3 134 137
Köln 1.297 178 13,7 188 187
Baden-Baden 1.196 167 14,0 150 121
Düsseldorf 724 135 18,6 99 107
Frankurt 602 114 18,9 97 90
Mülheim 543 101 18,6 74 74
Neuss 408 88 21,6 58 57
Hamburg 637 83 13,0 79 93
Dortmund 429 75 17,5 72 61
Hoppegarten 296 72 24,3 52 39
Krefeld 380 70 18,4 53 63
Bremen 255 60 23,5 39 43
Hannover 243 48 19,8 40 25
Gelsenkirchen 328 41 12,5 37 49
Bad Doberan 76 19 25,0 9 11
Halle 79 15 19,0 14 12
Dresden 42 13 31,0 3 3
Hassloch 25 5 20,0 5 5
Herxheim 10 4 40,0 2 0
Bad Harzburg 15 3 20,0 3 1
Magdeburg 7 2 28,6 2 0
Mannheim 8 2 25,0 2 2
Leipzig 3 1 33,3 1 1
           
  8.705 1.498 17,2 1.213 1.181

1 Comment

  1. Harald Pankowski sagt:

    Ein ganz toller und akribisch recherchierter Artikel vom Turfexperten mit schönem Bildmaterial.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.