Die Odyssee des Kleinen Prinzen

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Boxen auf für Prince Flori

Prince Flori bei Start in Baden-Baden

Prince Flori und Filip Minarik gewinnen den Großen Preis von Baden

Die Sternstunde des kleinen Prinzen: Mit Filip Minarik im Sattel gewinnt Prince Flori als längster Außenseiter den Großen Preis von Baden. (Foto: Turfexperte)


Der kleine Prinz

Auf der Rennbahn war er ein ganz Großer und das hatte wohl kaum jemand vermutet. Der kleine braune Hengst Prince Flori gewann in seiner langen Rennkarriere 5 Grupperennen und ließ so manches Spitzenpferd hinter sich.

Ihm gehörten die Sympathien der Rennbahnbesucher, denn er war ein echter Underdog. Gerade in Baden-Baden lief er immer wieder zu Höchstform auf und wurde schon als Dreijähriger zum Galopper des Jahres gewählt.

Doch der Reihe nach: aufgewaschen ist Prince Flori im Gestüt Trona. Zwar war sein Vater Lando ein überragendes Rennpferd, doch seine Mutter Princess Liberte gehörte nach Rennvermögen eher in die Kreisklasse. Außerdem war Prince Flori klein und unscheinbar.

Immer gut für hohe Quoten

Trainiert in Düsseldorf von Sascha Smrczek kam er erst dreijährig zum ersten Mal an den Start. Das war in Frankfurt-Niederrad. Natürlich glaubte kaum einer, dass der kleine Kerl gegen die Dreijährigen aus den großen Ställen gewinnen könnte.Doch Prince Flori gewann trotzdem für stattliche 251:10 auf Sieg. Für den Sieg musste er sich allerdings mächtig strecken.

Da schien dann auch sein nächster Start im Frankfurter Frühjahrspreis auf Gruppenebene ein Griff nach den Sternen. Der kleine Prinz gewann wieder. Nur zahlte er diesmal „bescheidene“ 187:10 auf Sieg. Kampf – Kopf – Hals lautete damals der Richterspruch. Eins hatte Prince Flori jetzt bewiesen: er war ein echter Kämpfer.

Die nächsten Starts im Prix du Lys in Longchamp und im Deutschen Derby brachten nichts ein und Prince Flori blieb teilweise weit geschlagen. So sollte sich der kleine Prinz nach dem Willen seines Trainers wieder leichtere Aufgaben suchen. Doch seine Besitzer glaubten fest an seine Klasse und brachten ihn im Großen Preis von Baden an den Start.

Bitte in die Box: Prince Flori in Baden-Baden

Kurz vor dem Start: Prince Flori und Adrie de Vries vor ihrem Sieg im Badener Frühjahrspreis. (Foto: Turfexperte)


Prince Flori – der Star von Baden-Baden

Das Highlight in Baden-Baden war damals noch mit 750.000 Euro dotiert. Klar, dass da alles vertreten war, was Rang und Namen hatte – ja und dann eben noch Prince Flori, der längste Aussenseiter, der im Führring auch eher den Eindruck machte, als hätte er sich in die Grand Prix Klasse verirrt.

Schiaparelli, Dickens, Oriental Tiger und Saddex – die ersten vier aus dem Deutschen Derby waren alle am Start. Dazu noch der gute Egerton und aus dem Ausland Norse Dancer und Fracas. Doch wer gewann überraschend leicht mit drei Längen Vorsprung – natürlich – Prince Flori, für profitable 274:10.

In seiner weiteren Karriere schlug der kleine Prinz noch so manche Schlacht und gewann weitere zweimal auf Gruppenebene in Baden-Baden. Auch den Preis der deutschen Einheit in Hoppegarten konnte er gewinnen. Dazwischen reiste er nach Ascot, Masions Laffitte und zuletzt als Sechsjähriger nach Rom.

Prince Flori vor dem Start in Baden-Baden

Prince Flori mit Kapuze: Trainer Sascha Smrczek führt seine Star selbst in die Box. (Foto: Turfexperte)


Die Odyssee des kleinen Prinzen

Mit solchen Leistungen und einem GAG von 98 kg in der Spitze, ist eine weitere Karriere als Deckhengst vorgezeichnet. Aber auch das traute man Prince Flori nicht so recht zu.

Er war zu klein und von der Abstammung her nicht gerade in Mode. So mussten sich seine Besitzer ordentlich umschauen, um Prince Flori, dem Galopper des Jahres, einen Platz in der Zucht zu ermöglichen.

Seine Gestütskarriere begann er dann im Gestüt Ohlerweiherhof im saarländischen St.Wendel. Doch wer dachte, dass der kleine Prinz vom eigenen Gestüt oder den deutschen Züchtern eine Chance bekommen würde, der hatte sich gründlich getäuscht. Gerade einmal ein Hengst und eine Stute stammen aus seiner Decksaison 2011.

Der Hengst Talori blieb bisher ungeprüft. Die Stute Arlett kam zu Pavel Vovcenko ins Training und konnte im letzten Jahr gewinnen – natürlich in Baden-Baden – und wechselte in diesem Jahr schon in die Zucht.

Bereits Ende 2011 wurde Prince Flori dann an das englische Dairy House Stud verkauft. Dort züchtete man für den englischen Hindernissport. Für einen Galopper des Jahres war das natürlich nicht unbedingt ein Aufstieg. Doch wer in Deutschland keine Chance bekommt, muss sein Glück eben im Ausland versuchen.

Für den Hindernissport war Prince Flori schon aus zwei Gründen attraktiv: Zum einen stellte sein Vater Lando speziell mit Epalo einen guten Vererber für den Jagdrennsport und zum anderen siegte Prince Floris großer Bruder, Prince Nico, in der Corsa Siepi di Milano, einem der wichtigsten italienischen Hindernisrennen.

Doch wieder hatte Prince Flori kein Glück. Denn schon Mitte 2013 stellte das Dairy House Stud seinen Deckbetrieb ein. „Damit lässt sich in England kein Geld mehr verdienen“, hieß es von den Besitzern Rob und Kin Young und prompt wechselte Prince Flori abermals den Stall.

Portrait des Galopper des Jahres 2006 - Prince Flori

Galolpper des Jahres 2006: Der Lando-Sohn Prince Flori. (Foto: Turfexperte)


Hat die Odyssee nun ein Ende?

Diesmal führte sein Weg ins irische Knockhouse Stud. Auch hier bietet man Hengste für den Hindernissport an und weiß offenbar die Nachkommen des Japan-Cup Siegers Lando zu schätzen.

Neben Prince Flori ist dort auch Touch of Land stationiert. Ein Lando-Sohn der genau wie der kleine Prinz schon einmal den Badener Frühjahrspreis gewinnen konnte.

Wir hoffen sehr, dass die Odyssee von Prince Flori damit ein Ende hat und er nun endlich die Chancen erhält, die er als kleiner großer Prinz auch redlich verdient.

Januar 2021

Auf galopponline.de ist am 15. Januar zu lesen, dass Prince Flori im irischen Knockhouse Stud gestorben ist. Eine Nachricht, die sicher viele Galopp-Fans traurig stimmt. Auf der Internetseite seines Gestüts ist von dem Verlust noch nichts zu lesen.

Eine kleine Recherche seiner Nachkommen im NH-Sport zeigt, dass Prince Flori auch in Irland nicht viele Chancen bekommen hat, sich als Vererber zu beweisen. So konnte die zweite Karriere des kleinen Prinzen nie mit den Erfolgen als Rennpferd Schritt halten. Seine Rolle als „Underdog“ hat er leider nie ablegen können, aber vielleicht gerade deshalb wird er – hoffentlich – vielen noch lange in Erinnerung blieben.

Der kleine Prinz war ein tolles Rennpferd und einer der ganz Großen des deutschen Turfs.

2 Comments

  1. Harald Pankowski sagt:

    Wieder ein mal ein sehr schön geschriebener Artikel vom „Turfexperten“ dessen beste Wünsche für Prince Flori ich mich anschließe.

  2. Carola Möller sagt:

    Ein schöner Artikel.Ich habe Des Prinzen Tochter Arlett kennengelernt.Sie hat tolle Leistung gezeigt.Man sollte Flori mehr Chancen einräumen dann kann er zeigen das er als Vererber großes leisten kann.

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